Lesestoff

  • Lesestoff,  Rezensionen

    Julia von Sandra Newman

    Wer kennt nicht 1984, wenigstens vom Hörensagen? Orwells Dystopie über den totalen Überwachungsstaat. Die Geschichte von Winston Smith, der der Liebe in die Falle geht und zwar im doppelten Sinne, einmal verliebt er sich in Julia und diese Liebe bringt ihn in das Liebesministerium, wo O’Brien herrscht und ihn foltert. Denn im Liebesministerium bedeutet Liebe Hass. Dort zu landen ist nicht unbedingt schwer, denn es ist nahezu unmöglich nicht Denkkrim, Sexkrim oder sonst was für ein Krim zu begehen.

    Sandra Newman nun, erzählt im Grunde die selbe Geschichte, nur halt aus der Sicht von Julia, die Maschinistin in der Fiktion ist, wo ihr auch Winston auffällt. Julia mauschelt sich so durchs System, macht Schwarzmarktgeschäfte, zeigt die richtige Form von Interesse am Staat und will einfach nur so geschmeidig wie möglich überleben. Doch durch die Maschen des Systems flutscht man nicht so leicht, und irgendwann steht sie vor der Alternative für die Partei als Spionin zu arbeiten, was ihr, genauso wie Winston, zum Verhängnis wird.

    Sandra Newman hat Julia mit der Erlaubnis der Orwell Gesellschaft geschrieben, die Dialoge zwischen Julia und Winston, sowie Winstons Folterung, wurden eins zu eins übernommen. Die deutsche Übersetzung von Karoline Hippe orientiert sich an der Neuübersetzung von 1984 von Frank Heiberts, S. Fischer Verlag 2021.

    Fazit in Neusprech: Doppelplusgut

    Julia
    Autorin: Sandra Newman
    Übersetzerin: Karoline Hippe
    Verlag: Eichborn
    ISBN: 978-3847901563
    Preis: 24,00 €
  • Einfach mal so,  Lesestoff,  Schreiben

    Wochenanfang und viel zu tun

    Die letzten Tage waren einfach nur schön, und damit meine ich nicht das Wetter. Es war einfach fein sich am Buch zu freuen, mit Freunden zu feiern und am neuen Buch zu arbeiten. Doch so ein Autorinnenleben besteht ja nicht nur aus Spaß und Tralala, sondern auch aus ernsten Dingen. Zum Beipiel muss man mit manchen Behörden kommunizieren oder mit der Krankenkasse. Nervig, aber muss halt.

    Dann habe ich mach mal dran gemacht und mich um meine Präsenz im Netz gekümmert. Also Mastodon Account eingerichtet und eine Extra-Facebookseite für die Rezensionen. Einerseits möchte ich weniger Präsenz im Netz, aber da ich auch will, dass die Bücher, also meine eigenen, genau so wie die von anderen, präsentiert werden und möglichst viele Leute drüber lesen, bleibe ich erst einmal bei FB, Instagram, Mastodon und mit meinen Blogs im Netz präsent.

    Eine feine Überraschung gab es heute Morgen, als ich eine Rezension zu meiner Geschichtensammlung „Finale Lebensfragen“, im Folkmagazin entdeckte. Zum genauer lesen bitte einfach auf das Fotoklicken.

    Also fing diese Woche schon einmal gut an. Nun warte ich noch auf das Upgrade von Papyrus Author, damit ich weiterarbeiten kann. Ich weiß, ich schrieb, dass ich auf Papyrus verzichten werde, weil es unter Linux nicht stabil läuft, doch da es nun einmal das beste Autorenprogramm ist, das ich kenne (und ich habe sie fast alle probiert), bin ich eben wieder auf Windows umgestiegen. Nicht wirklich gerne, aber da das Buchschreiben mit Papyrus Author einfach am Besten geht, habe ich mich dazu entschlossen.

    So, nun will ich mich mal mit einem Kaffee in die Sonne setzen. Ab Morgen soll das Wetter wieder schlechter werden. Also heute noch mal genießen.

  • Einfach mal so,  Lesestoff,  Persönliches

    Mir ist so herbstlich zu Mute

    Irgendwie bereite ich mich langsam aber sicher auf dem Herbst vor. Nicht nur innerlich. Letzte Nacht ist sogar schon die Heizung angesprungen und gestern habe ich Weißkohl gekauft. In meiner alten Wohnung wäre es nun schon zu kühl zum so sitzen und zu warm zum Ofen anmachen gewesen. Da bin ich denn doch sehr dankbar, dass nun, wo es doch kühler wird, die Fußbodenheizung anspringt und ich mit einem Paar Socken auskomme.

    Aber ich hoffe schon noch auf einige schöne Tage. Denn nächste Woche Freitag wollen wir anlässlich unseres Jahrestages, und weil mein Buch an dem Tage erscheint, grillen. Haben wir diesen Sommer noch gar nicht.

    Lesetechnisch kommt gerade viel feines ins Haus. Gerade habe ich die Rezension zu Vigdis Hjorth neuem Buch geschrieben, das wird am 27.09.2023 erscheinen. Wer aber neugierig ist, kann ja schon mal lesen, wie es mir gefallen hat: https://kabra-books.de/die-wahrheiten-meiner-mutter-von-vigdis-hjorth/ Mich jedenfalls hat es begeistert. Teils habe ich meine eigene Geschichte und Beziehung zu meiner Mutter darin wiedererkannt. Eine absolute Leseempfehlung.

  • Krimi,  Lesestoff

    Der süsseste Tod von Heather Levy

    Sam ist 17 als ihre Mutter wieder heiratet. Mit Isaac kommt auch Eric genannt Arrow auf die Farm. Er ist etwas jünger als Sam und die beiden verlieben sich ineinander. Soweit die Geschehnisse 1994.

    2009 lebt Sam in Oklahoma City, ist Bankmangerin und glaubt alles was 1994 auf der Farm geschehen ist, hinter sich gelassen zu haben. Doch nicht nur Eric ist plötzlich wieder da, sondern auch ein Detectiv der Mordkommision. Isaacs Pickup und seine Leiche wurden in der Nähe der alten Farm gefunden. Die Verletzungen der Leiche zeigen schnell, dass Isaac ermordet wurde und zwar schon vor langer Zeit. Die Ermittler beginnen sich schnell für das zu interessieren, was Sam und Arrow vergessen wollen.

    Die Geschichte beginnt mit einer Teenagerin, die sich, während sie masturbiert, mit einer Decke die Luft abschnürt. Sam ist Masochistin und während sie einerseits Arrow liebt, weiß ihr Stiefvater Isaac sie sehr geschickt darüber zu manipulieren. Sam, die ihre Sexualität nicht versteht und sich ihrer schämt, gerät immer tiefer in Isaacs Fänge. Sie kennt ihre Grenzen nicht und er hat keine. Weder Eric noch Sam sehen die Möglichkeit ihn aufzuhalten, außer einer gewaltsamen. Aber sind sie wirklich dazu fähig?

    Heather Levys „Der süßeste Tod“ ist mit Abstand der interessanteste, vielschichtigste Krimi, den ich seit langem gelesen habe.

    Der süßeste Tod
    Autorin: Heather Levy
    Übersetzerin: Kathrin Bielefeldt
    Verlag: Polar
    ISBN: 978-3-948392-79-6
    Preis 17,00 €

  • Lesestoff,  Persönliches

    Enkelinnen Kunst

    Ende letzten Monats war meine Enkelin Selena zu Besuch und eigentlich wollten wir gemeinsam das Cover für Tore und Wölfe – ISA machen. Dazu ist es aus verschiedenen Gründen nicht gekommen, aber sie hat mir das runde Bild auf dem Foto mitgebracht. Das hat sie gemalt und ich habe mich sehr darüber gefreut. Allerdings hatte es keinen Aufhänger und stand, lag oder steckte irgendwo herum. Vorgestern nun konnte ich Viktor überreden sich des Problemes anzunehmen. Nun hängt es neben den Lochsteinen, dem einzigen Schmuck den ich so dann und wann trage.

    Gerade habe ich eine kleine Runde durch den Garten gemacht und mich am Grün erfreut. Es ist schon so herbstlich.

    Wenn ich nicht arbeite, oder mich um Haus und Hof kümmere, lese ich viel. Unter anderem das Buch auf dem Foto. Sehr interessant und eine Anregung sich fotografisch vielleicht einmal ein wenig mehr auf das zu konzentrieren, was sich in der Stadt so an Pflanzen und Getier tummelt. Das Kapitel über Krähen fand ich schon mal spannend.

  • Lesestoff,  Rezensionen,  Roman

    Falls ich da war, habe ich nichts gesehen von Michela Marzano

    Michela Marzano ist überzeugt, dass ihre Familie immer links war. Sicher Großvater Marzano saß für die monarchistische Partei im Parlament, aber das macht ihn ja noch lange nicht zum Faschisten … dachte sie, bis sie auf der Taufurkunde ihres Vaters entdeckt, dass er 1936 neben so einigen anderen Namen auch den Namen Benito erhielt. Sie beginnt Fragen zu stellen und entdeckt, dass ihr Großvater Mussolini Anhänger der ersten Stunde war und unter dessen Regime Karriere gemacht hat. Ihre Reise in die Vergangenheit ihres Großvaters und die Auseinandersetzung mir ihren Eltern, ihrer Kindheit und allem was sie in der Gegenwart noch belastet, startet und scheint, erst einmal, mehr Fragen als Antworten aufzuwerfen. Es ist der Versuch den Großvater, den despotischen Vater und sich selber zu verstehen, ohne zu beschönigen.

    Ein ausgesprochen wichtiges Buch, gerade in Zeiten, in denen ein Rechtsruck durch so viele Nationen geht und in Italien Georgia Meloni regiert. Doch nicht nur deswegen halte ich dieses Werk für besonders aktuell, sondern auch, weil es dazu herausfordert genau hinzusehen und sich zu fragen: Woher komme ich und wo will ich hin? In welcher Welt wollen wir leben?

    Fazit: Unbedingt lesenswert!

    Michela Marzano, Jahrgang 1970, lebt in Paris und lehrt an der Université Paris Descartes Moralphilosophie. Für Falls ich da war, habe ich nichts gesehen, wurde sie mit dem Prenio Mondello ausgezeichnet.

    Falls ich da war, habe ich nichts gesehen
    Autorin: Michela Marzano
    Übersetzerin: Lina Robertz
    Verlag: Eichborn 
    Veröffentlichung: 25.08.2023
    ISBN: 978-3-8479-0150-1
    Preis: 24,00 €
  • Anthologien,  Lesestoff,  Rezensionen,  Uncategorized

    Hamburg Noir – Herausg. Jan Karsten

    Hamburger Autoren und Autorinnen erzählen Geschichten, die in ihrer Stadt spielen. Sie gehen in die dunklen Ecken und zeigen, dass auch im hellen und glänzenden Harvesthude, Wedel, Blankenese und an der Elbchaussee, das Dunkle durchaus präsent ist. Im Vorwort zitiert der Herausgeber Jan Kasten Heinrich Heine, der einmal über Hamburg sagte:

    Hamburg ist am Tage eine große Rechenstube und in der Nacht ein großes Bordell

    Man könnte sagen, dass sich die Geschichten zwischen diesen Polen bewegen. Ob es nun Nora Luttmers vietnamesische Bistrobetreiberin in Rothenburgsort ist, die auf ihre Art mit Schutzgelderpressern umgeht oder Ingvar Ambjørnsens Spaziergänger, der sich am Ring 2 zwischen einer versiffter Kellerkneipe, „in der er mit sich alleine trinkt“, und hipper Weinbar bewegt und dabei über Leben und Tod sinniert oder Zoë Becks Jachtbesitzer, der seinen Anwalt braucht, da ein Segler in seiner Schiffsschrauber zerschreddert wurde. Alle sind sie da. Die die ganz oben, die die auf dem Weg nach unten oder oben sind und die, für die es nicht mehr tiefer geht. Ein Stadtbummel der besonderen Art und für mich, als Ex-Hamburgerin, eine große Freude viele vertraute Ecken wieder zu entdecken. Doch man muss Hamburg nicht kennen, um die Geschichten zu schätzen. Aber ich kann versprechen, wer es auf diese literarische Art entdeckt, wird Lust bekommen, es sich live und in Farbe anzusehen.

    Hamburg ist das vierte Buch in der Noir Reihe des Culturverlags und macht große Lust, sich auch die anderen einmal genauer anzusehen.Hamburg Noir Herausg. Jan Karsten Verlag: Culturbooks ISBN: 978-3-95988187-6 Preis: 18,00 €

  • Lesestoff,  Rezensionen,  Roman

    Der Klopapierkönig von Maria Ernestam

    Da hat der verantwortungsvolle Verwaltungsbeamte Ejnar Svensson einmal nicht aufgepasst und statt vier Pakete Klopaier, werden vier Lastwagenlandungen in die Kleinstadt Valleras geliefert. Zu allem Überfluss nicht einmal das weiche mehrlagige, sondern das graue einlagige. Bürgermeister und Gemeinderat sind sich einig: Kann mal passieren. Nun haben wir es, nun wird es auch aufgebraucht! Damit wäre die Sache erledigt gewesen, wäre nicht die Presse aufmerksam geworden und begeistert darauf reagiert hätte, wie vorausschauend und umweltbewusst Ejnar bereits gedacht hat, als Umwelt noch gar nicht so sehr Thema war. Erst ist es nur national Thema, aber so nach und nach geht die Geschichte viral und Ejnar, der nichts wollte, als gemütlich in seinem Büro sitzen und seine Arbeit machen, wird zum weltweitem Medienstar, zum Klopapierkönig, Widerwillen.

    Ein kleines feines Buch hat Maria Ernestam da verfasst. Sie lässt den Bürgermeister von Valleras die Geschichte erzählen. Einem Ex-Politiker, der sich eigentlich zur Ruhe setzen wollte und es im Gegensatz zu Ejnar liebt, im Rampenlicht zu stehen, auch wenn er immer wieder beteuert, dass es ja nicht um ihn, sondern ums Gemeinwohl geht.

    Ein feines kleines Büchlein, das sehr viel mehr ist, als eine amüsante Satire.

    Der Klopapierkönig
    Autorin: Maria Ernestam
    Übersetzerin: Gabriele Haefs
    Verlag: btb
    ISBN: 978-3-442-77321-3
    Preis 12,00  €
  • Einfach mal so,  Kreatives Schreiben,  Lesestoff

    Schnelle Woche

    Diese Woche ging wie nix herum. Irgendwie bin ich richtig ein wenig aus der Puste. Dabei habe ich nicht mehr gemacht, als sonst auch. Klar ein wenig mehr geschrieben habe ich und auch reichlich gelesen. Aber auch seit langem mal wieder was geguckt und dabei gestrickt. Anscheinend kommt da doch einiges zusammen. Gestern habe ich eine interessante Dokumentation über Maja Lunde (Geschichte der Bienen usw.) auf ARTE geguckt.

    https://www.arte.tv/de/videos/103045-000-A/das-phaenomen-maja-lunde/

    Eine sehr interessante Frau. Ehrlich gesagt habe ich mir die Doku angeguckt, weil ich damals mit ihrem Bienenbuch so gar nicht warmgeworden bin, obwohl mich die Themen über die sie schreibt sehr interessieren. Die Frau, die hier gezeigt wird, fand ich nun so spannend, dass ich es doch noch mal mit einem ihrer Bücher versuchen werde.

    Miet- oder Leihmutterschaft ist ein weiteres Thema, das mich gerade umtreibt. Einmal natürlich aus Interesse und zum anderen weil mein nächstes Projekt ein Krimi wird, der es zum Thema hat.

    Heute hat es eine Erweiterung der Terrassenmöbilierung gegeben. Achim, mein Vermieter, hat mir zwei Klappstühle geschenkt und einen Hocker. Nun muss es nur noch wärmer werden und wir können es uns gemütlich machen. Sieht aber noch nicht danach aus. Leider.