Norwegische AutorInnen

  • Norwegische AutorInnen,  Roman

    Das Haus über dem Fjord von Kristin Valla

    Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Elin in ihren Geburtsort zurück um das Haus aufzulösen und zu verkaufen. Es wird eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit, auf der sie erkennt, dass bei weitem nicht alles so war, wie es ihr damals erschien. Mittlerweile lebt sie in Oslo, ist Journalistin für ein Modemagazin und denkt, sie hätte sich von dem kleinen Ort an der nordnorwegischen Küste und von dem Haus über dem Fjord gelöst. Doch auch das ist nicht ganz so, wie sie vermutet. Ihre ganze Jugend war von einem dramatischen Ereignis überschattet. An einem Tag wurden ihr Vater und ihre Brüder von einem Erdrutsch verschüttet und ihre Mutter versank in Trauer.

    Das Haus über dem Fjord ist der dritte Roman von Kristin Valla und die Autorin weiß eine Geschichte aufzubauen und zu erzählen. Der Aufbau ist einfach und überschaubar. Es gibt Rückblenden in die Vergangenheit, die mit dem abgeglichen werden, was Elin während ihres Aufenthaltes und ihrer Suche erfährt. Doch das Buch hat auch ein Manko. Im letzten Viertel, Elins Nachforschung über die Vergangenheit ihres Vaters, haben sie in ein französisches Dorf geführt, und ab hier beginnt Kristin Valla die Geschichte zu überfrachten. Hätte sie der Versuchung widerstanden, diesen Twist einzufügen, wäre es ein rundherum gelungenes Werk geworden.

    Das Haus über dem Fjord

    Roman
    OT: Ut av det blå
    Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
    gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

    320 Seiten

    ISBN: 978-3-86648-649-2

    Erscheinungsdatum: 20.09.22

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Dunkelschnee von Samuel Bjørk

    Auf einem Feld in Norwegen werden zwei tote Jungen entdeckt. Die Art wie sie getötet wurden und wie der Mörder sie arrangiert hat, erinnert an einen Fall, der sich acht Jahre zuvor in Schweden ereignet hat. Holger Munch, der Leiter einer speziellen Abteilung der Polizei Oslo ermittelt mit seinem Team, zu dem Mia Krüger kommt, frisch von der Polizeischule und hat das besondere Talent, Muster dort zu erkennen, wo andere sie nicht sehen.

    Es ist der erste Fall von Holger Munch und Mia Krüger, ein Prequel also, denn es gibt bereits 3 weitere Bände dieser Serie von Samuel Bjørk.

    Samuel Bjørk ist einer der Autoren, die ich sehr verdrießlich finde und dessen Erfolg ich nicht verstehen kann. Sicher, er schreibt sehr spannend und mitreißend, leider ist er aber kein guter Plotter. Seine Geschichten haben in der Regel mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Oft drängt sich der Gedanke auf, dass er eine Reihe guter Einfälle hat, diese irgendwie verknüpft und was sich nicht schlüssig erklären lässt, wird dann einfach unter den Tisch gekehrt oder mit einer fadenscheinigen Erklärung versehen. Als Leserin fühle ich mich da verarscht.

    Übersetzerin: Gabriele Haefs

  • Norwegische AutorInnen,  Roman

    Wütende Bärin von Ingebjørg Berg Holm

    Njål hat sich von Sol getrennt, die Mutter werden wollte, aber es nicht konnte. Nach Sol war er mit Nina zusammen, die nie Mutter werden wollte, es aber wurde. Nach Lottas Geburt versank sie in eine postnatale Depression, Njål verließ sie und nahm Lotta mit. Während es zwischen Nina und Njål zu einem Rosenkrieg vom Feinsten kommt, kommen sich Njål und Sol wieder näher. Alle drei wollen eines: Lotta!

    Diese sehr spannende Geschichte lässt sich nur schwer beschreiben, denn die Verwicklungen sind schon komplex. Da ist einmal Nina, von Beruf Glaciologin, die nicht nur mit Njål um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpft, sondern auch darum, wer von ihnen ein Forschungsprojekt auf Spitzbergen betreuen darf. Nina ist verletzlich, sehnt sich nach ihrer Tochter, kann aber im Grunde nicht viel mit ihr anfangen. Während Njål sie als unfähige, wenn nicht sogar für das Kind gefährliche Mutter darstellt, beschuldigt sie ihn indirekt des Kindesmissbrauchs.

    Njål wiederum etabliert sich als Supervater. Überhaupt hat er so ein vertracktes Ding damit laufen, sein Sperma zu verteilen, da er, wie er öfters betont „nicht so ein Mann ist“ geht er nicht fremd, sondern spendet großzügig bei einer Samenbank. Überhaupt betont er gerne, dass er nicht so ein Mann ist. Meistens dann, wenn er gerade etwas getan hat, was „so ein Mann“ tun würde.

    Sol nun ist Pastorin, allerdings ohne von sich zu behaupten Christin zu sein. Sie und Njål waren lange zusammen, verheiratet und haben mehrfach versucht ein Kind zu bekommen, doch es gab nur Fehlgeburten, was Sol schließlich in eine Depression abgleiten ließ und Njål zu Nina führte. Als sich nach der Trennung von Nina wieder zusammenkommen, kümmert sie sich um Lotta. Doch nachdem sie schwanger wird und sich entschließt, das Kind trotz Behinderung zu bekommen, verlässt Njål sie erneut und Nina und er wollen es noch einmal versuchen und auch gemeinsam das Forschungsproejkt auf Spitzbergen angehen.

    Alle drei Personen, aus deren jeweiligen Perspektive die Geschichte erzählt wird, eint im Grunde nur eines. Sie wollen Lotta für sich haben und dafür gehen sie sehr weit.

    Wütende Bärin ist kein typischer Thriller, aber ganz sicher ein spannendes, vielschichtiges Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

  • Norwegische AutorInnen,  Roman

    Kristin Lavranstochter – Das Kreuz von Sigrid Undset

    Der Kröner Verlag hat sich Sigrid Undsets Meisterwerk angenommen und es von Gabriele Haefs neu übersetzen lassen. Das Buch erschien nun, wie schon bei der Erstveröffentlichung in 3 Bänden. Das Kreuz ist der 3. Teil. Die Geschichte spielt im 14. Jahrhundert in Norwegen.

    Teil 1: Der Kranz: Kristin Lavranstochter ertrotzt sich die Ehe mit Erlend Nikolausson, einem Ritter, der nicht gerade vor Ehrenhaftigkeit strotzt. Sie bricht ihr Verlöbnis mit Simon Darre, der ihr trotzdem freundschaftlich verbunden bleibt.

    Teil 2: Die Frau: Kristin und Erlend leben nun auf Erlends Hof Husaby. Die Ehe der Beiden ist kein Tanz auf Rosen. Kristin sieht sich mit dem Haushalt eines großen Hofes, den illegetimen Kindern ihres Mannes aus einer früheren Beziehung und Erlends Unruhe, sowie einer Schwangerschaft nach der nächsten, überfordert. Schließlich wird Erlend des Landesverrats angeklagt. Simon Darre hilft den Beiden.

    Teil 3: Das Kreuz: Nachdem Erlend dem Galgen entkommen ist, werden ihm das meiste seines Besitzes und seine Titel genommen. Die Familie lebt nun auf dem Jorundshof, Kristins Erbhof. In der Nachbarschaft sind sie nicht wohlgelitten. Erlend gilt als hochmütig und niemand hat Kristin verziehen was sie ihren Eltern zugemutet hat, um den Mann ihrer Wahl zu bekommen. Dazu kommt, Erlend ist kein Bauer und auch die meisten der 7 Söhne der Beiden, zeigen nicht viel Talent für die Leitung eines großen Hofes. Erlend schafft es schließlich auch sich mit dem letzten wohlgesinnten Menschen im Ort, Simon Darre, Kristins Exverlobten und Gatte von Kristins Schwester, zu überwerfen. Auch die Streitereien zwischen den Eheleuten nehmen zu und gehen schließlich so weit, dass Erlend den Jorundshof verläßt und sich auf seinen letzverbliebenen Besitz zurückzieht. Es gibt Versöhnungsversuche, doch erst als es üble Gerüchte um Kristin gibt, kommt Erlend zurück. Er stirbt im Kampf und Kristin lebt als Witwe auf dem Hof, der nun von einem der jüngeren Söhne geführt wird. Ihre anderen Kinder sind gestorben oder in die Welt hinausgezogen. Als Gaute, der nun Hofherr ist, heiratet, verlässt Kristin den Hof und zieht als Pfründnerin in ein Kloster. Denn kommt die Pest.

    So die Handlung im Groben. Sigrid Undset erhielt 1928 für Kristin Lavranstochter den Literaturnobelpreis und wenn dieser jemals zu Recht vergeben wurde, denn in diesem Fall. Leben im 14. Jahrhundert, historische Fakten, Mode, Alltags, Kirchenrecht und lebendige Charaktere werden von der Autorin so geschickt verknüpft, dass man beim Lesen komplett versinkt und Zeit und Raum sich auflösen.

    Dabei ist es nicht so, dass die Protagonistin dieses Werkes eine ist, die man bedingungslos mag. Meiner Meinung nach hat Sigrid Undset da eine ausgesprochen zickige Heldin geschaffen, die man, ebenso, wie ihren Erlend, so dann und wann einfach schütteln möchte. Doch genau das macht auch den Reiz aus. Es gibt kein „… und sie lebten glücklich und in Freuden“, nur ein „sie lebten“.

    Gabriele Haefs Übersetzung ist so großartig, dass man vergisst, dass das Buch ursprünglich nicht in deutscher Sprache geschrieben wurde.

    Kristin Lavranstocher – Das Kreuz, ISBN 978-3-520-62301-0, Preis 27,00 €

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Der Mann, der nicht vergessen konnte von Trude Teige

    Auf einem alten Bauernhof, in der Nähe von Oslo, wird ein Mann tot aufgefunden. Die Obduktion ergibt, dass er schwer krank war und voraussichtlich seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Nachforschungen ergeben, dass er auf dem Hof aufgewachsen ist und das der Ort kein glücklicher war. Weder in der Kindheit des Mannes, noch später und ein Mord, der bis dato ungeklärt ist, hat sich dort ereignet.
    Die Journalistin Kajsa Coren erholt sich von ihrer Krebserkrankung und versucht auch beruflich wieder Fuß zu fassen. Allerdings soll es ein wenig ruhiger sein, als zuvor. Während ihrer Arbeit an einer Dokumentation über #metoo entdeckt sie den alten Hof … und eine Leiche.
    Trude Teige ist eine Meisterin darin, ein aktuelles Thema wie #metoo, mit einem spannenden Plot zu verweben, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Trude Teiges Charakter leben und haben Ecken und Kanten. Hat man erst einmal angefangen die Krimis um Kajsa Coren und ihren Lebensgefährten, den Oberkommisar Karsten Kjolas, hängt man am Haken und freut sich, kaum hat man eines ausgelesen, bereits auf das nächste Buch.

    Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs & Andreas Brunstermann

  • Norwegische AutorInnen,  Roman

    Die Kinder von Barøy von Roy Jacobsen

    Mit die Die Kinder von Barrøy präsentiert Roy Jacobsen den vierten Teil seiner Inselsaga. Die drei vorherigen Teile sind unter dem Titel „Die Unsichtbaren“ im Insel Verlag erschienen und wurden, wie auch der vierte Teil von Andreas Brunstermann und Gabriele Haefs übersetzt.

    Der Krieg ist vorbei und das Leben auf der kleinen Insel vor Norwegens Küste findet langsam in die Normalität zurück. Doch nicht für alle ist es so einfach. Da ist der kleine Mattis, dessen Mutter verschwunden ist und von dem es heißt, dass er ein Deutschenkind ist. Also das Kind einer Norwegerin und eines deutschen Besatzungssoldaten. Mattis Mutter hat vor seiner Geburt einen Norweger geheiratet, den Kapitän des Milchbootes, der die Inseln im Fjord anfährt und mit dem Festland verbindet. Eines Tages bleibt Mattis auf Barrøy, wo er mit den Kindern von Ingrid und den anderen aufwächst. Es ist noch immer ein hartes Leben dort auf der kleinen Inseln und die Welt verändert sich. Ingrid Barrøy, die Besitzerin der Insel, versucht das Leben auf der Insel zu erhalten, obwohl die Jungen es die jungen in die Städte zieht.

    Mit den ersten drei Bänden habe ich mich sehr schwer getan. Zum ersten Teil habe ich einmal geschrieben, dass ich nahezu verdrossen bin, denn Roy Jacobsen hat eine Geschichte und Charaktere die mich interessieren, doch auf seinen Erzählstil kann ich mich nur schwer einlassen. Mit Die Kinder von Barrøy hat ermich versöhnt. Fein gezeichnete Charaktere, wundervolle Naturbeschreibungen und keine literarischen Überfrachtungen. Ein Buch dem ich viele Leser und Leserinnen wünsche.

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Ein Grab für zwei von Anne Holt

    Ein neuer Anne Holt ist immer ein Grund zur Freude, denn selbst ihre nicht ganz so gelungenen Werke, liegen noch weit über dem Durchschnitt. Ein Grab für zwei stimmt nun besonders froh, da es der Auftakt zu einer neuen Serie ist.

    Selma Falk, ehemalige Handball-Olympia-Medaillengewinnerin, erfolgreiche Rechtsanwältin mit Starqualitäten ist abgestürzt. Beruflich, privat, alles scheint zusammen zu brechen. Das ist der Punkt, an dem Jan Morrell vor ihrer Tür steht und ihr ein Angebot macht. Seine Tochter, Norwegens große Hoffnung auf Olympiagold im Langlauf, sieht sich Dopingvorwürfen ausgesetzt. Als kurz darauf ein weiterer Skiläufer des Olympiateams tot aufgefunden wird und bei ihm ebenfalls Dopingverdacht besteht, scheint es klar zu sein, dass jemand dem Olympia-Team schaden will. Allerdings hat Selma Falk ihre Zweifel, dass es so einfach ist.

    Mit Selma Falk führt Anne Holt eine nicht ganz typische Ermittlerin ein. Sie ist weder Polizistin noch Privatdetektivin, verfügt allerdings durch ihren Bekanntheitsgrad und ihre Arbeit als Rechtsanwältin über exzellente Verbindungen zu diversen Institutionen und Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Der Plot ist gut konstruiert, allerdings ohne konstruiert zu wirken, die Charaktere sind lebendig und ein besonderer Lichtblick ist Selmas Freund, der Obdachlose Einar Falsen, ein ehemaliger Kriminalbeamter mit Paranoia.

    Anne Holt zeigt einmal mehr, dass ein guter Kriminalroman ohne Gewaltpornos auskommt und es der Spannung keinen Abbruch tut, wenn die Charaktere dreidimensional sind und nicht bloße Avatare für den nächsten Mord.

    Im nächsten Herbst kommt der zweite Teil. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man bei so einer Ankündigung denkt: Was, so lange noch?

    Übersetzerin: Gabriele Haefs