Krimi

  • Krimi

    Tote Winkel von Sophie Sumburane

    Valentina ist Mitte dreißig, lebt in einem schönen Haus, hat reizende Kinder, ist mit einem wohlhabenden Mann verheiratet und unglücklich. Sie neigt zu Zwangsneurosen, dissoziert so dann und wann, kurz sie hat eine Menge Gepäck, versucht klarzukommen und schafft es mal gerade eben ihre Welt zusammenzuhalten. Eigentlich lebt sie in der ständigen Gewissheit, dass jeden Moment alles zusammenbrechen kann und die alten Monster, die aus den Verletzungen in ihrer Kindheit entstanden sind, aus ihren Löchern kriechen. Genau dies geschieht an einem Mittwoch, als die Polizei anruft und ihr mitteilt, dass ihr Mann wegen Vergewaltigung verhaftet wurde. Das Verwirrende: Das Opfer, die Journalistin Katja Sziboula, sieht Valentina zum Verwechseln ähnlich.

    Sophie Sumburane hat einen sehr ungewöhnlichen Kriminalroman geschaffen. Sie lässt Valentina, Katja und Kay, Katja Ehefrau, abwechselnd zu Wort kommen. Lässt sie erzählen, von ihrer Kindheit, von ihren Abgründen, von den Dämonen, die sie umtreiben. Der einzige der nicht zu Wort kommt, ist der Vergewaltiger, der Kneipenkönig, Valentinas Ehemann. Die Geschichte wird mehr und mehr ein Spiel mit Wirklichkeiten und Wahrnehmung des Gegenübers und es ist eine Geschichte über Missbrauch und dessen Folgen. Sophie Sumburane nimmt ihre Leser mit an Orte, an die sie sich freiwillig nie begeben hätten und das macht sie wahrlich meisterlich.

    Dabei hätte ich das Buch beinahe nicht gelesen, denn es kam mit einem Disclaimer:

    Dieser Kriminalroman enthält Passagen mit expliziten Schilderungen sexueller, körperlicher und seelischer Gewalt, auch gegen Kinder und Jugendlichen.

    Inhaltswarnung zu „Tote Winkel“

    Liebe Edition Nautilus, mir war sehr bewusst, dass ich einen Kriminalroman bestellt habe und kein Buch mit Häkelmustern! Was soll diese Infantilisierung von Lesenden? Mittlerweile kommt es ja öfter und öfter vor, dass vor dem Inhalt eines Buches gewarnt wird. Wie weit wird das noch gehen? Steht jetzt bald bei Rosemunde Pilcher vorweg:

    Dieser Roman enthält Passagen, in denen die Protagonistin an Liebeskummer leidet und ein Pferd stirbt.

    Bessert euch und haltet auf jeden Mist mitzumachen.

  • Krimi,  Norwegische AutorInnen

    Dunkelschnee von Samuel Bjørk

    Auf einem Feld in Norwegen werden zwei tote Jungen entdeckt. Die Art wie sie getötet wurden und wie der Mörder sie arrangiert hat, erinnert an einen Fall, der sich acht Jahre zuvor in Schweden ereignet hat. Holger Munch, der Leiter einer speziellen Abteilung der Polizei Oslo ermittelt mit seinem Team, zu dem Mia Krüger kommt, frisch von der Polizeischule und hat das besondere Talent, Muster dort zu erkennen, wo andere sie nicht sehen.

    Es ist der erste Fall von Holger Munch und Mia Krüger, ein Prequel also, denn es gibt bereits 3 weitere Bände dieser Serie von Samuel Bjørk.

    Samuel Bjørk ist einer der Autoren, die ich sehr verdrießlich finde und dessen Erfolg ich nicht verstehen kann. Sicher, er schreibt sehr spannend und mitreißend, leider ist er aber kein guter Plotter. Seine Geschichten haben in der Regel mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Oft drängt sich der Gedanke auf, dass er eine Reihe guter Einfälle hat, diese irgendwie verknüpft und was sich nicht schlüssig erklären lässt, wird dann einfach unter den Tisch gekehrt oder mit einer fadenscheinigen Erklärung versehen. Als Leserin fühle ich mich da verarscht.

    Übersetzerin: Gabriele Haefs

  • Krimi,  Lesestoff

    Ein notwendiger Tod von Anne Holt

    Erneut lässt Anne Holt ihre neue Detektivin Selma Falk ermitteln. Eine Protagonistin die sich doch sehr von üblichen Ermittlerinnen unterscheidet. Ex-Anwältin, Olympiasiegerin, TV-Berühmtheit und spielsüchtig. Selma Falk ist eine, die weiß wie sie ihre Ziele erreicht und die je nach Bedarf, ihren Charme einsetzt oder lügt und betrügt, wenn sie es für nötig hält. So ist der Anfang von „Ein notwendiger Tod“ doch erstaunlich …

    Selma erwacht in einer brennenden Hütte. Sie ist nackt, es schneit und sie hat keine Ahnung, wie sie dort hingekommen ist, geschweige denn, wie sie arg geschwächt und nackt, zurück in die Zivilisation kommen soll. Nach und nach erinnert sie sich, an die Hochzeit ihrer Tochter, auf der der Bräutigam durch einen anaphylaktischen Schock stirbt. An den Auftrag des Restaurantbetreibers den Todesfall zu untersuchen, um zu klären, dass die Schuld nicht beim Koch lag. Das Dumme ist, dass sich schnell das Gefühl einschleicht, dass der Tod des Minutenschwiegersohn kein Unfall war. Sjalg Petterson war nicht nur Historiker, sondern auch politischer Influenzer, dessen bevorzugte Zielscheibe in seinen Blogartikeln der aktuelle Justizminister Trygve Mejer war. Dieser widerum ist Mitglied im Rat, einer mächtigen Gruppe, die im Falle einer Invasion Norwegens, tätig werden soll.

    Anne Holt nimmt sich in „Ein notwendiger Tod“ eines topaktuellen Themas an, Beleidigungen und Mobbing im Internet. Stephen Fry hat einmal gesagt:

    Twitter ist die Toilettenwand des Internets

    Stephen Fry, Schauspieler und Autor

    Wie geht man nun damit um? Welche Regulierungen sollte es geben? Das sind Fragen, die in diesem Roman aufgeworfen werden. Anne Holt hat also auch diesmal ein brisantes Thema angepackt und durch lebendige Charaktere und eine spannende Story so aufgearbeitet, dass es für die Leser erlebbar wird.

    Übersetzerin: Gabriele Haefs

  • Einfach mal so,  Krimi,  Lesestoff

    Schlapp – ein wenig

    Ein wenig angeschlagen bin ich schon. Der übliche Hamburg Kater, nach der Bahnfahrt. Trotz Attest, habe ich es mit Maske versucht, und dafür mit Angstträumen und Migräne bezahlt, da aber immer mehr Ärzte befürchten müssen, dass sie „Besuch“ (zwei Ärzt:innen meiner Bekanntschaft, ist das passiert) bekommen, wenn ihr Name auf Attesten auftaucht, mag ich es schon gar nicht vorzeigen. Jedenfalls bin ich heute einigemaßen geschafft und am überlegen, wie ich nach Hamburg komme, wenn ich muss, ohne mit der Bahn zu fahren. Wenn sich keine findet und es unbedingt nötig ist, werde ich es wohl in Kauf nehmen müssen, dass ich wieder mit den Folgen zu kämpfen habe.

    Doch ega,l ich bin wieder zu Hause, heute gibt es Pizza und nach der gehe ich früh ins Bett und lese den neuen Anne Holt. Der war bei meiner Rückkehr in der Post. Also das Rezensionsexemplar, offizieller Termin der Veröffentlichung ist der 21.9.2022. Es ist der zweite Fall der Ermittlerin Selma Falk. Die ich schon im ersten Buch unwiderstehlich fand.

    Beim Fotos durchsehen, stieß ich auf das hier. Meine Gören, Viktor und auch ich sind echte Leseratten und Harry Potter Fans. Die Kinder so sehr, dass sie die Bücher in allen Sprachen haben, in denen sie lesen. Jenni liest gerne auf französisch, Selena auf spanisch, Melli versucht sich an der englischen Ausgabe und Opa Viktor auf Deutsch (die Zweitsprache in der er relativ sicher ist, ist schwäbisch und meines Wissens gibt es keine Ausgabe in diesem Idom), während ich deutsch und englisch lese. Also nicht nur süchtig nach Büchern, sondern auch noch multilingual.

  • Krimi,  Uncategorized

    Kennt ihr Patsy Logan?

    Wenn ihr Patsy Logan noch nicht kennt, wird es Zeit sie kennenzulernen. Ellen Dunnes dutsch/irische Hauptkommisarin mit Hang zum anecken ist eine absolute Entdeckung. Ich bin über den 3. Teil der Reihe Boom Town Blues auf sie getroffen. Mir gefiel der Titel, mag Dublin und Kriminalromane, vorzugsweise mit Ermittlerinnen. Über Boom Town Blues habe ich hier bereits geschrieben:

    Jedenfalls war ich so begeistert von dem Buch, dass ich mir die Vorläufer, zu denen gleich mehr, sofort besorgen wollte. Da es sie als Hörbuch gibt, dachte ich, warum nicht. Versuche es einfach mal. Meistens ist es ja so, dass man beim Lesen eine Stimme im Kopf hat und dass es schon einmal enttäuschend sein kann, wenn man es denn als Audio hört. In diesem Fall passte es. Vanida Karun hört sich wie die Patsy in meinem Kopf an. Leider gibt es nur die beiden ersten Titel in der Hörbuchversion. Es wäre schön, wenn Boom Town Blues auch in diesem Format zur Verfügung stände.

    Zur Autorin Ellen Dunne geht es hier: https://www.ellen-dunne.com/

  • Krimi,  Roman,  Uncategorized

    Die andere Mrs. Walker von Mary Paulson-Ellis

    Margaret Penny ist 47, als sie mit einem geklauten Mantel, einer Flasche Rum und einem Coronations Penny in der Tasche, vor der Edinburgher Haustür ihrer Mutter steht. Der Rum hilft ihr um über die Schwelle zu kommen, denn Alkohol ist fürs erste so ziemlich das einzige, was die beiden Frauen gemeinsam haben. Margaret ist finanziell am Ende und hat persönliche Gründe London zu verlassen. Sie macht sich auf die Suche nach Arbeit und findet eine Anstellung im Amt für Verlorengegangene. Ihr erster Fall: Mrs. Walker, ca. 85, die abgemagert tot in ihrem Zimmer aufgefunden wurde. Margaret soll nun die Geschichte dieser Frau aufdecken, einen Vornamen und eventuelle Familie finden, damit die Dame beerdigt werden kann. Der Nachlass, mit dem die Suche beginnt, ist eher mager: Ein verschüttetes Glas Whisky, eine gammelige Mandarine, eine Paranuss und ein smaragdgrünes Kleid.

    Die andere Mrs. Walker ist der Debütroman von Mary Paulson-Ellis. 2016 ist er erschienen. Der Haupthandlungsstrang ist 2010 – 2011 angelegt, doch die Autorin lässt auch die Vergangenheit der Walkers und Pennys entstehen. In Rückblenden erzählt sie von Kindern die sterben, von Vätern die verschwinden, von Müttern die im Irrenhaus landen, von Abtreibungen, Pädophilie, Prostitution, betrügerischen Anwälten, Kriegstraumata und Alkoholismus. Vom verzweifelten Versuch vor dem all dem die Fassade der Wohlanständigkeit aufrechtzuerhalten und wie Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft sind. Trotz der dunklen Themen, liest es sich nicht bedrückend, da es der Geschichten, besser gesagt den Geschichten, nicht an Humor mangelt, wenn einem auch an manchen Stellen, das Lachen im Hals stecken bleibt.

    Übersetzerin: Kathrin Bielfeldt

  • Craftwork,  Einfach mal so,  Krimi

    Regen und Pastellfarben

    Es plätschert noch immer munter vor sich hin, kalt ist es auch. Gestern hatten wir eine Ruhepause und es war relativ trocken. Heute wollte ich die Terrassenpflanzen umtopfen, aber bei dem Wetter, mache ich es mir lieber mit Strickzeug und Hörbuch gemütlich.

    Ich glaube heute stricke ich mal die Sommersocken fertig. Vielleicht locke ich damit die Sonne. In letzter Zeit habe ich einen fatalen Hang zu Pastellfarben … muss am Alter liegen.

    Gestern brachte mir Freund Sascha dieses Buch. Mord im Labyrinth von Robert Gulik. Ich bin mir nicht sicher ob ich es schon einmal gelesen habe. Egal, wenn nicht dieses, dann war es ein anderes Richter Di Buch und das hatte mir gefallen. Wenn es dieses war, auch nicht schlimm, es gibt Bücher die kann man gerne wieder lesen.

  • Craftwork,  Einfach mal so,  Hörbücher,  Krimi

    Nasser Wochenbeginn

    Das Wetter lädt wirklich nicht dazu ein, sich draußen zu vergnügen. Allerdings musste ich doch kurz vor die Tür. Ich habe mir meinen zukünftigen Winterpullover vorgenommen, da fehlen noch die Ärmel, welche nun wieder rundgestrickt werden. Wie es so ist, habe ich ungefähr siebzig Stricknadeln, aber keine bei der Stärke und Länge hinhauen. Zum Glück ist das Handarbeitsgeschäft gleich um die Ecke.

    Das ist das gute Stück. Im Moment habe ich Stricktechnisch das Kontrastprogramm, Winterpullover und Sommersocken. Doch es tut mir gut und das ist die Hauptsache. Ohne Buch geht es allerdings nicht, daher habe ich mir ein Hörbuch besorgt.

    Es ist das erste Buch der Patsy Logan Serie von Ellen Dunne. Den 3. Teil Boom Town Blues, habe ich gerade ausgelesen und hier darüber geschrieben.

    Boom Town Blues von Ellen Dunne – Writresscorner

    Ich wünsche allen einen schönen Start in die Woche.

  • Krimi

    Boom Town Blues von Ellen Dunne

    Gut läuft es wahrlich nicht für Kriminalhauptkommisarin Patsy Logan, sowohl Karriere, als auch Ehe und Kinderwunsch sind in einer Sackgasse gelandet. Also eine Auszeit und Gelegenheit den irischen Teil der Familie zu besuchen. Die Auszeit ist allerdings schnell vorbei, als sich ihr Münchener Chef meldet und sie bittet als Verbindungsbeamtin zu fungieren. In der österreichischen Botschaft wurde eine junge Frau vergiftet. Gemeinsam mit der irischen Polizei, deren Ermittlungsleiter alles andere als glücklich über die Zusammenarbeit ist, gilt es herausfinden, ob es ein wahlloser terroristischer Anschlag war und ob Laura Brenner wirklich das Opfer war oder ob es sich um eine Verwechselung handelt?

    Boom Town Blues ist mein erster Patsy Logan Krimi, aber ganz sicher nicht mein letzter. Die beiden Vorläuferbände werden umgehend besorgt. Das Grundthema von Boom Town Blues sind die Auswirkungen der Finanzkrise und das Platzen der Immobilienblase, sowie die daraus resultieren persönlichen Schicksale. Die Handlung ist 2019 angelegt, der Brexit steht bevor und bringt Veränderungen, Covid ist noch kein Thema, aber es zeichnet sich ab. Ellen Dunne versteht eine komplexe, vielschichtige Handlung zu erzählen, ohne dass Spannung verloren geht und die politische, wirtschaftlichen Informationen erschlagen.

    Unbedingte Leseempfehlung.

    Die Autorin:

    Ellen Dunne ist in Salzburg geboren, aber folgte ihrer Sehnsucht nach dem Meer – und lebt heute als Texterin und Schriftstellerin südlich von Dublin. Seit 2010 lässt sie ihre deutsch-irische Kommissarin Patsy Logan ermitteln, zuletzt in „Schwarze Seele“ und „Harte Landung“. Und das kann ganz schön erfrischend sein: Für die Recherche zu „Boom Town Blues“ wagte Dunne sich nach 17 Jahren auf der Insel zum ersten Mal in die Irische See.

    Das Buch ist im Haymon Verlag erschienen.

  • Krimi,  Uncategorized

    Milch oder Blut von Liza Cody

    Seema Dahami ist Mitte 20, lebt in London, Vegetarierin, hat einen Freund mit dem sie gut zurecht kommt aber auch nicht mehr, weniger gut kommt sie mit ihrer koscher lebenden Mutter zurecht, die ihrerseits nicht viel positives über ihre Tochter zu sagen hat. Seema ist Gärtnerin aus Leidenschaft, neben kleinen Vorstadtgärten, Terrassen und Blumenkästen, bepflanzt sie auch eine Verkehrsinsel. Eigentlich ein langweiliges normales Leben, ohne große Aufregungen, womit es allerdings schnell vorbei ist, als sie eines abends Lazaro kennenlernt, einen sehr viel älteren, kultivierten Herrn.

    Milch und Blut nicht zu mischen ist die einzige jüdische Speiseregel, die für die sonst nicht gläubige Seema Sinn macht. Ansonsten glaubt sie nicht an das Übersinnliche. Doch was, wenn ihr neuer Freund vielleicht ein Vampir ist? Seit der Begegnung mit Lazaro kommt so einiges ins Schwanken in Seemas Leben und so undurchsichtig ihre neuen Bekannten sind, so klar wird ihr was sie bei den ihr vertrauten Menschen übersehen hat.

    Liza Cody lässt sich auch bei dieser Geschichte nicht von einem Genre einengen. Sicher es gibt eine Kriminalgeschichte, aber da ist auch soviel mehr. Die Autorin lässt ihre Protagonistin äußerst geschickt, zwischen Traum und Wirklichkeit den Weg zu sich selbst finden. Eine absolute Leseempfehlung.