Einfach mal so

Das ist aber nicht korrekt!

Das ist aber nicht korrekt! Das gehört verboten! Sätze die man dieser Tage oft hört. Ein jeder und natürlich auch eine jede, scheint Befindlichkeiten zu pflegen und statt einfach mal damit zu leben, dass es andere Weltsichten gibt, das Menschen zu anderen Zeiten anderes gedacht und geschrieben haben, gar andere Begrifflichkeiten verwendet haben (was man übrigens Kindern sehr gut erklären kann), wird sich echauffiert und gefordert, dass das weg muss. Das Ravensburger Buch über den jungen Häuptling Winnetou interessiert mich persönlich nicht und ich gehöre zu denen, die Karl May nicht gerne gelesen haben, aber das bedeutet nicht, dass ich möchte, dass irgendwas, was mich nicht interessiert, mich verstört oder mir ein mulmiges Gefühl gibt, verschwinden muss. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass wir mit dieser Cancel Culture unseren Kommunikationsraum genau dort einengen wo er sich öffnen sollte. Dieses „mit dem oder der rede ich nicht, weil die über (zutreffendes bitte ergänzen) anders denkt als ich, verhindert den Austausch, verhindert Verständnis und verursacht Trennung statt Verbindung. Dabei wäre letzteres genau das, was wir brauchen, miteinander statt gegeneinander. Vor allem weil so vieles, was nicht „politisch korrekt“ ist, schlicht nicht zu Ende gedacht ist. Wenn wir so besorgt sind, dass indigene Völker beleidigt werden, weil sie auf gewisse Art in einem Buch dargestellt werden, dann sollten wir uns nicht an Begrifflichkeiten abarbeiten, die übrigens nicht gerade wenige Indianer, Zigeuner und so weiter, für sich selbst anwenden und uns mit unseren Sprachkaspereien schlicht für bescheuert halten, sondern dafür sorgen, dass es eben keine Randgruppen mehr sind, dass sie für das Unrecht, das sie in früheren Zeiten erleiden mussten, entsprechend entschädigt werden. Wenn diese Besorgnis so tief geht, dann sollten man den „Native Americans“ oder wie diese Woche der politisch korrekte Begriff ist, das Land zurück geben, das man ihnen gestohlen hat. Aber so weit geht es denn ja doch nicht!

Was nun die Forderung betrifft, Bücher zu verbieten … Nun, das hatten wir doch schon mal. Mit dem Verbieten fängt es an und irgendwann brennen sie wieder. Wir haben doch immer soviel auf unsere Freiheit der Rede gegeben. Doch was passiert in letzter Zeit mehr und mehr? Einschränkungen, Redverbot, Zensur und Ausgrenzungen. Interessant vor allem: All das geschieht in man einfach nachplappert, was man gehört hat. Da wird eher darüber geurteilt, was über eine Person geschrieben oder gesagt wurde, als darüber, was diese tatsächlich geschrieben oder gesagt hat!

Karin Braun, Autorin, Herausgeberin, Literaturbloggerin - kurz, sie macht was mit Worten … und mit Fotos ... und mit Tarot.

17 Kommentare

  • Melusine

    In Anlehnung an diesen Post versuche ich es erneut Dich zu bitten mich freizuschalten, damit ich hier kommentieren kann, was bisher nicht möglich war. Allerdings vermute ich, dass Dich dieser Kommentar so wie so nicht erreicht…….
    Rosi

  • KLaus-Peter Grüblein

    Dumme Frage:
    Gilt diese Forderung von Dir auch für Hitlers“ Mein Kampf?“
    Oder hattest Du den Gedanken einfach nicht ganz zu Ende gedacht, als Du Deine Sätze formuliert hattest?

  • KLaus-Peter Grüblein

    Meinst Du nicht, daß diese Distanzierung reichlich dünn ist?
    Selbst wenn der Besitz nicht strafbar ist, die Inhalte des Buches sind es schon und immer noch geeignet, als Anstiftung zu strafbaren Handlungen zu dienen.
    Wenn das kein Grund ist, das Buch zu eleminieren, was dann?

    • Kabra

      Die Gefahr liegt doch weniger darin, dass es das Buch gibt, sondern das es bei sovielen auf Zustimmung stößt. Es ist doch eine Frage der Ressonanz. Nur weil man etwas nicht zulässt, heißt es doch nicht, dass es nicht da ist. Und ja, ich bin grundsätzlich der Meinung, das eine freie Meinungäußerung keine Verbote verträgt. Ich zum Beispiel, finde die Transhumanismustheorien, die so einige gerader verbreiten, widerlich und menschenverachtend, aber es muss erlaubt sein, sie zu diskutieren.
      Im Übrigen, wo hält es auf, wenn man erst einmal mit dem Verbieten anfängt? Wer will entscheiden, was darf und was nicht? Das nimmt doch sonst kein Ende, denn irgendjemanden wird man doch immer auf die Füße treten. In der Bibel zum Beispiel findet sich auch so einiges, wo man sagen müsste: „Das ist aber nicht korrekt!“

          • KLaus-Peter Grüblein

            Im Übrigen:

            Meine Frage hast Du mit dem Zitat nicht beantwortet.
            Ich wollte nicht wissen, was Voltaire darüber denkt, sondern ob DU Hitlers Buch als Teil einer schützenzwerten freien Meinungsäusserung betrachtest.

          • Kabra

            Du hast anscheinend meine Antworten nicht aufmerksam gelesen. Ich kann mich nicht zu dem speziellen Werk äußern, da ich es nie gelesen habe, daher weiß ich nicht. Und das werde ich auch nicht. Ansonsten verstehe ich gerade nicht, warum du dich daran abarbeitest. Für mich bleibt klar, jeder muss seine Meinung, seine Vorstellung einer Gesellschaft in den Raum stellen würden, damit sie diskutiert werden können. Mehr werde ich nicht dazu sagen.

          • KLaus-Peter Grüblein

            Also ist offener Rassismus für Dich eine Meinung, die man diskutieren kann?
            Das läßt aber zeimlich tief blicken.

  • birgit brabetz

    etwas zu verbieten und es somit reizvoll für pubertäres trotzverhalten zu machen ist meiner meinung nach nicht der richtige weg
    besser wäre laut und deutlich den inhalt zu besprechen und die darin enthaltenen menschenverachtenden gedanken offen zu legen
    und ja auch mit bildung ist nicht jeder erreichbar
    bildung und teilhabe ( leider derzeit nur mit würgreiz zu benutzen) ist für mich sowieso der schlüssel zu einem friedlichen zusammenleben und nicht denken verbieten und kadavergehorsam fordern
    in diesem sinne
    karin du schreibst mir aus der seele
    besonders angesichts der unsäglichen debatte bezüglich der documenta

    • Kabra

      Danke Birgit, das mit der Dokumenta habe ich noch gar nicht mitbekommen, muss ich gleich mal gucken. Du hast Recht Bildung und Teilhabe und offenen Diskurs, das ist es. Aber beides scheinen ja gerade Auslaufmodelle zu sein. Alles Liebe

  • birgit brabetz

    die konversation oben zeigt deutlich was gemeint ist
    es geht nicht um diskussion sondern darum dem anderen etwas zu unterstellen und ihn zu diskreditieren
    mit nun beinah siebzig erlebe ich dass meine grundhaltung als antisemitisch rassistisch frauenfeindlich etc. deklariert wird
    zu allem überfluss bin ich noch pazifistisch – sehr verdächtig
    aber es hat sicherlich was mit dem alter zu tun das erleben zu müssen
    ( ich verstehe heute meine eltern ein bisschen besser denen ich in jungen jahren das faschistisch um die ohren gedroschen habe – sorry nachträglich – allerdings wollten sie auch nicht diskutieren und schon gar nicht zuhören )

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