Mal so

Worte und Gefühle

Wer hier schon länger mitliest weiß, ich habe es nicht so mit dem christlichen Aspekt von Weihnachten und auch die Coca Cola Variante hat mich nie erreicht. Was ich aber, auch schon in meiner Jugendzeit, schön fand, war die Ruhe dieser Zeit. Diese drei Tage, in der die Welt einfach mal innehält. Ich glaube entscheidend hat mich da ein besonderes Weihnachtsgedicht geprägt:

Weihnachten von Joseph von Eichendorff

Markt und Straßen steh'n verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld.
Hehres Glänzen, heil′ ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt′ s wie wunderbares Singen.-
O du gnadenreiche Zeit!

Als wir das Gedicht in der Schule lernen mussten, war da sofort so ein „Das ist es! -Gefühl“. Vielleicht konnte ich damals nicht ausdrücken, was es in mir berührte, aber ich wusste, dass da jemand das in Worte gefasst hat, was ich fühlte.

Manchmal habe ich fast ein schlechtes Gewissen, bei allem was so in der Welt vorgeht, dass ich diese Zeit so genieße. Dabei verschließe ich mich gar nicht vor dem Fürchterlichen. Nur tief in mir drin etwas, das durch die frühe Dunkelheit, die Kerzen und die Freude auf einige Tage, in denen die Welt einmal ruhig wird (hoffentlich auch dieses Jahr), vor Zufriedenheit schnurrt. Interessanterweise gibt mir das sogar den nötigen Antrieb mehr ins Außen zugehen. Am Freitag dem 05.12.2025 um 10:30 wurde ich zum Beispiel auf dem Exerzierplatz sein, um mit den Friday for Peace Kids gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu demonstrieren.

Ansonsten Buisness us usual.

Mein Name ist Karin Braun, lebe in Kiel, arbeite als Autorin, Herausgeberin, Literatourbloggerin und Übersetzerin - also kurz: ich mach was mit Worten.

4 Kommentare

  • Gudrun

    Ich mag Eichendorffs Gedichte und das besonders. Die Gedichte wecken Gefühle, vorrausgesetzt man hat welche. Die Zeit jetzt genieße ich auch. Ich habe das Gefühl, dass alles unaufgeregter läuft.
    In Leipzig finden auch der Schulstreik und verschedene Aktionen statt. Leider habe ich Arzttermine, aber ich finde es gut und richtig. Und fast leere Klassenzimmer gab es in der Abiturstufen wärend zweier Kriege auch. Das darf nicht wieder passieren.
    Grüße zu dir.

  • birgit

    wir haben hier jetzt die queen of decoration im haus und daher einiges an schmuck und lichtern drin und draußen
    ( beim kaffeetrinken sonntag sprachen die kinder über saugroboter und w. fragte ob die auch deko einsaugen )
    ich hab ein paar kleine lichterketten in den zimmerecken aufgehängt damit ein bisschen licht in die dunklen räume kommt

  • Karin Braun

    In der Wohnung habe ich eigentlich nur den üblichen Kram, das muss reichen. Es ist eher so ein inneres Gefühl. Die Weihnachtskugeln habe ich unterwegs fotografiert. Ich bin ja nicht so die Dekoqueen. Alles liebe

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