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Guter Rat

Jahrelang habe ich Tarotberatungen gemacht und mich darüber aufgeregt, dass die Leute meine ach so guten Ratschläge nicht befolgen. Dabei bin ich genauso schlimm. Schon lange merke ich, dass vieles was ich mir vorgenommen, gewünscht und darauf hingearbeitet habe, nicht funktioniert und es auch nicht funktionieren wird. Ich weiß also, es wäre an der Zeit eine Entscheidung zu treffen, bevor mein Körper sie für mich trifft. Wenn ich mich erinnere, ist es jedes Mal so gewesen, es wird Zeit etwas loszulassen, was ich nicht gehen lassen will und mein Körper fängt an mich zu einer Entscheidung zu drängen. Tarottechnisch gesprochen, wenn ich jetzt nicht ehrlich zu mir selbst bin, steuere ich auf ein Turm-Erlebnis zu.

Diese Turmzeiten sind nie besonders bequem. Statt sanft und nach und nach etwas loszulassen, wird der Turm, der eigenen Sicherheiten, Meinungen, Dogmen und Vorstellungen vom Blitz gesprochen und man selbst steht im Hemd vor den Trümmern. Das geht nie ohne erhebliche Schäden und Wunden ab. Der einzige Vorteil ist: Dass man sich nicht mehr verstecken kann.

Meinen Tageskarten habe ich heute mit der Frage gestellt, was zu tun ist und sie sind sehr deutlich. Triff eine Entscheidung, verschaffe dir eine sichere Basis, von der aus du tätig werden kannst und lass geschehen, was geschehen will. Natürlich ist mir im Grunde bewusst, warum ich so zögere: Diesmal steht an, mich von etwas wegzubewegen und nicht auf etwas zu. Es ist auch keine Alternative, kein anstatt, in Sicht und das ist für mich schwer auszuhalten. Als ich Birgit heute morgen ein Foto meiner Tageskarten schickte, schrieb sie: Schwing den Zauberstab! Recht hat sie. Es gilt einen Sprung in den leeren Raum zu machen und sehen womit er sich füllen wird, vielleicht auch einfach akzeptieren, dass er einfach so bleibt. Ein leerer Raum, ist ja auch ein Freiraum. Schwer auszuhalten für einen Kontrollfreak wie mich! Aber vielleicht ist das auch die Aufgabe, einfach mal Vertrauen haben, dass es gut wird.
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Gerade alles ein wenig viel

Nachdem es einige Tage recht ruhig war, ist nun genau andersherum. Viktor hatte einen weiteren dieser merkwürdigen Anfälle und war wieder über Nacht in der Klinik. Als wir nach Hause kamen, war hier die Hölle los. Ich habe keine Lust die Einzelheiten zu schildern, jedenfalls werden die Wohnungen die noch Ofenheizung haben, wohl zukünftig darauf verzichten müssen. Der Schornsteinfeger hat sie stillgelegt. Nun sollen Heizungen eingebaut werden. Was bedeutet, wir müssen Viktors Zimmer räumen, damit dort gewerkelt werden kann. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass er ein Messi ist und sich von nichts trennen kann.

Doch nun ist es nötig, wenn Viktor hier weiter wohnen bleiben soll. Ich plädiere ja schon lange dafür, dass er eine Heizung kriegt. Er ist nicht mehr der Jüngste und ewig wird er die Plackerei mit dem Holz nicht mehr schaffen und so, wie es gesundheitlich bei ihm aussieht, schon mal gleich gar nicht. Wir haben gerade keine schöne Zeit. Er wirkt so verletzlich und so müde. Erst einmal habe ich uns beiden Ruhe und frische Luft verordnet. Vorhin sind wir eine kleine Runde spazieren gewesen. Eine klitzekleine Runde und er ist komplett erschöpft und schläft nun erst einmal. Samstag hat er Geburtstag, da wird er 73 und ich hoffe so, dass er sich berappelt und wenigstens einen Teil seiner Musiksachen weitermachen kann. Gerade bin ich nicht sehr zuversichtlich.





