Smombiserung

Was ist eigentlich aus „einfach mal aus dem Festern gucken“ oder noch gewagter „mal mit jemanden reden“ geworden? Seit ich mehr Bus fahre, fällt es mir doch sehr auf, dass nahezu jeder sein Handy in der Hand hat. Es wird gezockt, gewhats’appt, gesnapptchat, dass es eine Art hat. Einfach mal aus dem Fenster guckt kaum jemand. An Bushaltestellen, dasselbe Bild. Sowie jemand 1 Minute irgendwo warten muss, wird das Gerät aus der Tasche gezogen und draufgestarrt. Besonders fein finde ich die Typen, die sich zusätzlich noch so eine Autistenklammer aufsetzen, um ja nicht zu viel von der analogen Welt mitzubekommen. Neulich im Botanischen Garten, kam mir so einer entgegen, Kopfhörer auf, Blick fest aufs Handdisplay gerichtet und juchee durch die verschneite Welt.
Versteht mich richtig, ich habe nichts gegen Smartphones. Im Gegenteil, ich mag mein Fairphone sehr. Finde es fein Uhr, Kalender, Fahrplan, Kamera und Messenger in einem Gerät zu haben. Sogar telefonieren kann man mit dem Teil. Aber es ist ein Werkzeug. Ich muss mich nicht permanent aus der analogen Welt ausklinken.
Was ich bei Erwachsenen schon schlimm finde, geht mir bei Kindern massiv gegen den Strich. Ich wohne in der Nähe von Schulen. Wenn ich im Park spazierengehe und Schulschluss ist, kommen mir da so Horden von Mini-Smombis entgegen, die auf ein Gerät starren. Mir ist nicht klar, warum die lieben Kleinen überhaupt ein Smartphone in der Schule haben sollten. Manchmal denke ich, dass so ein Handyverbot für unter 16-jährige, vielleicht nicht verkehrt wäre. Andererseits helfen Verbote ja doch nicht. Medienkompetenz lernen, wäre sicher der bessere Weg. Das wäre auch gut für so einige Eltern, denn oft genug sieht man ja solche, die ihren Kleinkindern mal eben das Gerät in den Patschehändchen drücken oder ihrerseits, während des Lüftens des Kindes, permanent auf das Teil starren.
Erziehung nützt nichts, die Kinder machen einem ja doch nur alles nach! Wusste schon Karl Valentin.

Manchmal, nicht sehr oft, aber immer mal wieder so dann und wann, gibt es einen Strahl der Hoffnung. Dann sitzt eine und strickt fröhlich während der Busfahrt. Neulich strickte sogar eine im Stehen. Die Frau, hatte meine ganze Bewunderung.



2 Kommentare
Melusine
Respekt für „die strickende Frau im Stehen“…….. Hab‘ ich auch noch nicht gesehen.
LG Rosi
Karin Braun
Vollen, sie hat sogar ein Ajour- Muster gestrickt, nicht nur gerade rechts.