Stricken
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Sonne genießen

Es ist nicht zu warm und immer bevor die Sonne zu intensiv wird, schieben sich Wolken vor sie. Unter solchen Umständen kann ich die Sonne gut genießen. Also habe ich mir meinen Wollkorb – genauer gesagt, einen meiner Wollkörbe – geschnappt und mich ein wenig auf die Terrasse gesetzt. Während ich so vor mich hingestrickt habe, waren meine Gedanken immer mal wieder bei meinem neuen Buchprojekt. Für die nächsten Wochen habe ich mir einige Touren in der Stadt zurecht gelegt, zu Plätzen an denen ich lange nicht wahr und die mich immer berührt haben.

Ich bin nicht so wirklich viel im Internet dieser Tage. Sondern bin gerne in Gedanken, Wolle und in der Küche unterwegs. Nach wie vor blogge ich mit Freuden und an Regentagen gucke ich auch gerne mal ein wenig bei Youtube längs; die a-sozialen Netzwerke allerdings reizen mich immer weniger. Dort bin ich eigentlich nur noch, wegen der Buchbesprechungen.

Heute musste ich denn auch noch ein wenig Technik basteln. Ich brauche einfach einen größeren Bildschirm, obwohl ich gestehen muss, dass es mich ärgert. Denn das Arbeiten am Laptop und die damit verbundene Beweglichkeit haben mir immer gefallen. Doch Bildbearbeitung und Korrekturlesen hat so einfach keinen Zweck damit. Also Rückkehr zu externer Tastatur und zu Monitor.
Zum Glück musste ja nichts neu angeschafft werden, Viktor hatte da noch was übrig.
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Kaffee de Luxe

Im Großen und Ganzen habe ich keinen ausgeprägten Hang zum Luxus. Was Kaffee betrifft allerdings schon. Der muss frisch gemahlen sein und am liebsten aus der French Press. Diese gigantischen Kaffeemaschinen mit Mahlwerk, die ein Vermögen kosten und viel Wartung, sind nichts für mich. Bis vor kurzem hatte ich allerdings eine elektrische Kaffeemühle, war aber nie wirklich zufrieden damit. Jedenfalls hatte ich Viktor bereits informiert, dass ich gerne wieder eine Handmühle hätte, allerdings eine Gute und nicht irgendein Billigteil. Er hatte zugestimmt, mir eine zum Geburtstag im Dezember zu schenken. Nun hat vor einigen Tagen meine elektrische die Grätsche gemacht und das Geschenk musste früher her. Ich freue mich so. Heute Morgen gab es den ersten von Hand gemahlenen Kaffee. Ein wenig muss ich noch am Mahlgrad basteln, der war doch ein wenig zu grob eingestellt. Aber das ist eine Kleinigkeit.

Heute nachmittag habe ich mal ein neues Sockenbündchen versucht. Ich finde dass sieht sehr niedlich aus. Die Socken sollen rot/schwarz werden. Ein wenig spooky. Wahrscheinlich für die Gören. Aber ich könnte sie mir auch sehr gut für mich vorstellen.
Es ist deutlich kühler geworden und wenn die Sonne verdeckt ist, lädt es nicht wirklich zum Draußensitzen ein. Aber ein wenig habe ich mich doch auf die Terrasse begeben. Doch nun wird es Zeit sich ums Abendessen zu kümmern, danach werde ich mich in mein Bett verziehen und Stricken. Ich wünsche allen ein frohes Wochenende.
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Der Hang zum analogen



Wir leben in einer technisierten Welt, es gibt sogar welche, die davon träumen, Mensch und Technik zu verschmelzen. Ewiges Leben und so weiter. Diese Träumenden haben meiner Meinung nach nicht begriffen, was Leben ist und was es ausmacht.
Doch bei all dem Technikgeschwurbel, dem ich gar nicht feindlich gegenüberstehe, nur sehr kritisch, gibt es anscheinend eine große Sehnsucht nach Handwerk. Guckt man auf Youtube wimmelt es von Strick-Podcast, wo auch ich mir oft Inspirationen hole. Viele dieser Sendungen sind von relativ jungen Frauen und auch Männern gemacht, die ihre eigenen Muster und Entwürfe vorstellen. Hier kommen das analoge und die Technik zusammen, denn ohne letztere gäbe es die Podcast nicht.
Auch man hört wieder von Handarbeitstreffen. Was ich sehr erbaulich finde. Auch wenn ich persönlich, lieber alleine in meinem Kämmerlein vor mich hinbastele.
Es stimmt mich froh, dass es diese Freude an Handarbeit, am Selbermachen und Gestalten, vielleicht auch mal mit einer kleinen Macke drin, nicht verschwunden ist. In dieser Welt, in der die Oberflächen immer glatter und kühler werden, scheint es ein großes Bedürfnis zu geben, die Finger nicht nur zum Wischen und Tippen zu gebrauchen. Mir jedenfalls macht es viel Freude, meine Socken selbstzustricken.
Solche kleinen Teile, wie den Schal auf den Fotos, stricke ich gerne. Socken, Pulswärmer und kleine Tücher sind zügig gemacht, man kann Reste aufbrauchen und hat immer ein Geschenk bereit.
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Behaglich zu Hause – Aber du musst doch mal raus!

Ich gebe es zu: Ich mag es behaglich! Kerzenlicht, Wolle, Bücher, der Garten und mein gemütliches Bett. Sicher, ich gehe auch gerne spazieren oder treffe mich so dann und wann mit Freunden, aber ich gehöre nicht zu denen, die permanent etwas machen müssen.
Im Gegensatz zu den meisten in meinem Bekanntenkreis, verbringe ich viel Zeit zu Hause und pütschere so vor mich hin. Komischerweise werde ich immer wieder gefragt, ob ich denn nicht das Gefühl habe etwas zu verpassen. Nee, habe ich nicht! Im Gegenteil, ich nehme sehr intensiv wahr, was um mich herum geschieht.

Vielleicht vermisse ich das Außen nicht so sehr, weil ich ja oft genug in anderen Gefilden unterwegs bin. Einmal durch das Schamanische Reisen, aber eben auch durch das Schreiben.
Eine Freundin meinte neulich, ich würde nur nicht rausgehen, weil ich halt so nerdig wäre. Das kann natürlich sein, aber ich sehe auch keinen Sinn darin dauernd irgendwo hin zu eilen. Krokussblütenfest in Heide, Public Viewing von La Traviata und fürs Wochenende mal eben an die Nordsee. Das ist anstrengend! Besagte Freundin meint, ich müsse mich einfach mal überwinden. Doch warum sollte ich? Besser gesagt, würde ich vielleicht auch, wenn mir etwas fehlte. Was es ja aber nicht tut.
Ich finde es übrigens sehr spannend, dass mir, und anderen die ähnlich drauf sind, gerne mal gesagt wird, dass sie sich einfach aufmachen müssen, unter Leute gehen. Dass es nicht normal ist, so viel für sich zu sein! Ich empfinde das als übergriffig. Ich sage solch emsigen Leuten, mit Hummeln im Mors, doch auch nicht, dass sie einfach mal mit dem Hintern zu Hause bleiben und sich für eine Weile selbst aushalten sollen.
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Farbfreude, Selbermachen und Nachdenken

Vor einigen Wochen habe ich wunderschöne rote Sockenwolle entdeckt und gekauft. Denn, keine Ahnung warum, zu Jul (ich weiß ist noch lange hin) brauche ich rote Socken. Warum eigentlich? Egal, jedenfalls habe ich die Wolle gekauft und schon mal angefangen zu stricken, damit für die Julzeit gerüstet bin. Ich finde sie sind recht schick geworden, obwohl ich mich bei dem Halbpatent versetzt an der Ferse mal verhaspelt habe. Irgendwie sehe ich nicht mehr so gut und brauche eine neue Brille.

Ich denke viel über den Prozess des machens nach. Sei es das Brot, dass ich seit 12 Jahren selbst backe, oder die Strick- und Häkelsachen. Alleine das Machen, also das mit den Händen arbeiten, macht mir große Freude. Überhaupt stelle ich seit einiger Zeit fest, dass ich mich mehr und mehr aus den sozialen Medien, nein nicht verabschiede, aber zurückziehe. Der Rechner ist in der Regel um spätens 18:00 zu. Seit nun fast einem Jahr habe ich auch keine W-Lan Verbindung mehr. Was mir sehr gefällt. Muss man erst ein Kabel einstecken fällt es schwer, noch mal eben kurz zu googeln wie die Hauptstadt von Puerto Rico heißt oder ob es Brokkoli im Angebot gibt.
Heute sind also die Socken fertig geworden und nun kann ich einen Sophie Scarf anfangen. Ich möchte einige kleinere Teile stricken, denn die nächsten Geburtstage und Festivitäten stehen an.
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Lösen

Vorletztes Jahr habe ich einen Pullover gestrickt, der viel zu groß wurde, weil ich zu faul war richtig zu messen und eine Maschenprobe zu machen. Um das viel zu groß zu beschreiben: Er hätte sich als Abdeckplane fürs Auto geeignet. Da ich ihn einfach nicht sehen konnte, habe ich ihn einfach in einen Schrank, an den ich nicht so oft gehe, gesteckt und gehofft, dass ich ihn vergesse. Das hat nicht geklappt. Seit ich meinen aktuellen Winterpullover fertig gestrickt habe, denke ich dauernd an das Teil. Es ließ mir einfach keine Ruhe. Also habe ich ihn herausgekramt.

Seit zwei Tagen war ich nun am Aufröpeln, eine Arbeit vor der mir graute. Doch während ich röpelte, entknotete und wickelte, stellte ich fest, dass es eine wundervolle meditative Beschäftigung ist und mir wurde auch klar, was damals schief gegangen war. Über den orangenen Pullover habe ich sehr viel nachgedacht, habe mir eine Anleitung besorgt, diese auf meine Größe umgerechnet und mir richtig Mühe gegeben. Auch als mir zwei Stricknadeln abbrachen und ich mühsam Maschen retten muss, bin ich nicht verzweifelt. Ich habe während der Arbeit immerzu daran gedacht, wie er mich wärmen wird. Wie die Farbe meine Laune in der grauen Zeit heben wird und so weiter.
Als ich die Autoabdeckplane strickte, war das nicht so. Ich habe grob geschätzt (mich gewaltig verschätzt) und losgelegt, meine Gedanken waren permanent woanders, trieben sich überall herum, waren nur nicht da wo sie sein sollten. Im Hinterkopf war immer, es ist ja nicht schlimm, wenn es nichts wird, ist ja nur so eine Billigwolle. Statt mich nun darüber zu ärgern, dass ich so blöde war, begann ich mir während des Aufröpels bewusst zu werden, wie sehr ich die Farbe der Wolle mag und wie weich sie ist und dass sich bestimmt etwas Schönes daraus machen lässt. Nun habe ich alles aufgewickelt und in meinen Strickkorb getan und bin am Planen, was es werden wird.
Stricken hat viel Ähnlichkeit mit dem Wirken eines Zaubers. Man hat eine Vorstellung, macht sich ein Bild, besorgt sich, was man für die Umsetzung braucht, hofft auf gute Geister, die den Vorgang begleiten und legt los. Doch wenn man nicht konzentriert und in Verbundenheit ans Werk geht, hat man entweder ein Strickstück, dass man irgendwo verstecken möchte oder ein Kräuterbündel, dass sich falsch anfühlt. In beiden Fällen hilft nur eines. Es auflösen und neu anfangen.






