Mal so

Ausgeschlafen

Gestern hatten wir also Besuch und es war wirklich schön. Ich befand mich allerdings, dank der beiden schlaflosen Nächte, leicht im Zombiemodus, aber es ging doch. Nachdem die lieben Leute gegangen waren, bin ich gleich ins Bettchen, habe ein wenig gelesen und dann doch wirklich zehn Stunden am Stück durchgeschlafen. Das war fein!

Heute Morgen lief denn wieder alles ganz normal. Viktor und ich haben beim Frühstück darüber gesprochen, dass ich anscheinend immer schlechter mit Terminen klarkomme. Dabei habe ich die Leute, die gestern hier waren, wirklich gerne. Wir kennen uns schon lange, haben so einige gemeinsame Interessen, tauschen Bücher untereinander und sie sind bestimmt nicht die Art von Menschen, die sonst was von ihren Gastgebern erwarten und doch fühle ich mich unter Druck gesetzt. Sicher, es hat zum Teil mit der, wie es dieser Tage heißt, Neurodivergenz zu tun. In der letzten Zeit ist es damit deutlich schlimmer geworden. Ich gehe immer weniger unter Leute, jedenfalls geplant. Wenn ich mich einen Tag einigermaßen sozialkompatibel fühle unternehme ich etwas. Aber auch da bleibt es meistens bei der Einkaufsrunde oder einem Spaziergang.

Natürlich ist mir klar, wie banal mein Problem ist. Zu mal es ja nicht mal eines ist. Es wird nur von mir so empfunden, wenn ich mich aus meiner Komfortzone begebe. Viktor meint, ich soll mich nicht fertig machen, sondern einfach akzeptieren, dass ich nun mal so gestrickt bin. Es ist auch nicht so, dass ich wirklich darunter leide … also, in meinem Alltag. Eng wird es nur, wenn ich etwas unternehmen will, weil ich meine, dass es doch nun einmal dazu gehört. Eine Freundin schlägt vor auf Treffen in meiner Wohnung zu verzichten. Da könnte sie auf der richtigen Spur sein, versuchen wir es also demnächst mal auf neutralem Boden.

Mein Name ist Karin Braun, lebe in Kiel, arbeite als Autorin, Herausgeberin, Literatourbloggerin und Übersetzerin - also kurz: ich mach was mit Worten.

2 Kommentare

  • Siri

    Liebe Karin, you‘ re not alone. Ich kenne das 1 zu 1 so. Akzeptieren ist wirklich das Beste, und wenn es hilft, eben auch nicht bei sich zu Hause treffen. Aber mich machen eigentlich alle Termine ein bisschen fertig. Uns fehlt wohl ein innerlicher Halt, den man normalerweise in seiner Kindheit ‚installiert‘ bekommt. Ich finde die Entwicklung der Spirituslität aka Glaube an etwas Höheres, Geistiges ist für Menschen mit diesem Defizit super hilfreich! Einen schönen Sonntag noch und dann einen angenehmen Start in die Woche! Siri

    • Karin Braun

      Et tu Siri, es ist schon merkwürdig, wieviele es betrifft. Mit Terminen habe ich es im allgemeinen nicht leicht. Im Dezember habe ich mich mit Freundinnen in einem Café getroffen und das ging überraschend gut. Vielleicht, weil ich da ja jederzeit gehen kann, wenn es mir zuviel wird. Ich werde es demnächst mal so halten. Alles Liebe Dir

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